Was Auftritte in der ehemaligen Synagoge angeht, sind wir ja quasi schon alte Hasen (und Häsinnen). Immerhin haben wir schon in den letzten zwei Jahren sehr schöne Matinée-Auftritte dort gehabt. Letztes Wochenende war es genauso und doch ganz anders. Das erste Mal haben wir am Samstagabend eine Soirée gegeben. Und das machte es auch für uns spannend!
Die allererste Spannung kam schon am Freitagabend bei der Generalprobe auf: Würden auch alle Sängerinnen und Sänger auf die Bühne passen? Immerhin hatten wir im letzten Jahr einigen „Zuwachs“ gehabt. Nun sollten also 50 von uns auf die kleine Bühne mit dem großen Flügel (und Dirigenten und Musikern…). Der Kniff, dies zu bewerkstelligen war, dass wir ein kleines Podest vor die Bühne stellten. Dort konnte unser Chorleiter Platz nehmen und hinter dem nach vorne gerollten Flügel fanden Sopranistinnen und Altistinnen Platz. Flankiert wurden unsere Damen vom Bass links und dem Tenor rechts. Das sollte Chor und Publikum auch ein ganz neues Klangerlebnis bringen. Nach der Generalprobe waren wir also vollends auf Betriebstemperatur…
Samstagabend füllte sich nach einem kurzen Einsingen der kleine Saal rasch mit dem gespannten Publikum. Die erste Überraschung kam gleich bei der Begrüßung von Thomas, unserem Chorleiter. Auf seine Frage, wer denn schon ein Konzert des Chores in der ehemaligen Synagoge gehört hatte, meldete sich kaum jemand. Da waren also lauter Leute, die uns in dieser Location noch nicht gehört hatten. Noch mehr spannend!
Jetzt ging es für den Chor aber wirklich auf die Bühne und zum Singen! Wir starteten ganz unüblich auf deutsch mit „Junimond“ von Rio Reiser. Schnell war klar, auch mit der Abendstimmung sprang der Funke gleich über! Flott ging es mit „Hold Back The River“ weiter. Nachdenklich und ruhiger wurde es mit dem hervorragenden Arrangement von „Scarborough Fair“ und „Sound Of Silence“ von, klar, Simon und Garfunkel.
Zwischendurch fingen Christine und Christian mit passenden Texten zum Frühling, zum Ort unseres Auftritts und zu den Liedern die jeweilige Stimmung in Worten ein.
„Halt mich“ von Herbert Grönemeyer ist schon fast ein Klassiker des Chores und durfte bisher bei keiner Matinée fehlen. Am Samstag folgte also die „Soirée-Premiere“.
Ein Super-Klassiker des Chores schaffte es endlich auf die Bühne der ehemaligen Synagoge: „When You Believe“ zeigte auch hier seine große Kraft und sorgte für Gänsehautmomente.
Etwas ganz Neues brachte unsere Kleingruppe danach zu Gehör. „Momentary“ (momentan) brachte Chor und Publikum ganz ohne ein Wort, nur mit Klängen einige schöne Momente der Ruhe. Eindrucksvoll!
Danach war Solistinnen- und Solistenzeit! Barbara sang „Always Remeber Us This Way“ von Lady Gaga. Oh ja, der Auftritt wird noch lange im Gedächtnis bleiben! Nicht weniger eindrucksvoll war Uschis Vortrag von „Das Beste“ von Silbermond! Komplettiert wurde unsere Solistenriege mit Sébstien. Er brachte wieder einen französischen Chanson auf die Bühne. Begleitet von Verena sang er „Elle est d’ailleurs“. Das Lied um einen unglücklich Verliebten war vielleicht sein bester Auftritt bisher bei uns! Mit allen unseren Solo-Künstlern haben wir auf jeden Fall einen großen Schatz gefunden! A propos Schatz. Da war auch noch unser Chorleiter, der keine Cellistin finden konnte und der dann doch ganz alleine etwas aufführen musste. Und das war was! Die Piraten enterten kurz die Bühne mit „Pirates Of The Carribian“, inklusive Kanonenschuss am Ende. Grandios!
Nicht weniger grandios ging es weiter. Barbara und Uschi taten sich zusammen für ein Duett: „Fields Of Gold“ von Sting wurde von den Beiden sehr gefühlvoll interpretiert. Einfach Schön!
Danach war es am Chor, das Tempo wieder anzuziehen. „Joshua Fit The Battle Of Jericho“ brachte fast auch die Mauern der Synagoge zum beben! Dann war die Stunde unserer starken Frauen in Sopran und Alt angebrochen: Mit „Never Let Me Go“ vom Oslo Gospel Choir brachten sie die Liebe zu Gott zum Ausdruck. Ja, die Jungs unterstützen sie auch nach Kräften! „Wunder gescheh’n“ von Nena setzte einen ruhigen Kontrapunkt und war eigentlich der Abschluss des Konzerts. Eigentlich. Danach gab es als Zugabe noch ein Wiedersehen mit einem Lied, das schon vor über 20 Jahren bei uns auf dem Programmzettel stand: „Bridge Over Troubled Water“, als Gospel interpretiert. Martina und Roland lieferten die tollen Solistenstimmen und der Chor besorgte den Rest, um das Publikum zu begeistern. „You Are The Reason“ von Collum Scott sollten nun wirklich den (ruhigen) Abschluss bilden. Aber das grandiose Publikum wollte noch mehr! Also gab es als fetzigen Rausschmeißer noch einmal „Joshua Fit The Battle…“.
Kinder, was für ein Abend! Beschwingt und mit eine großen Lächeln machten Publikum und wir uns nach einem kleinen Absacker auf den Weg nach Hause.
Sonntagmorgen. So ein klein wenig schläfrig wirkten alle noch beim Einsingen. Würde die Energie reichen, um nochmals ein so tolles Konzert auf die Bühne zu bringen? Sie reichte!
Das Publikum war wieder phänomanal und ging mit, wo es mitreißend wurde und war aufmerksam und lauschte andächtig, wo es ruhiger war.
Und was war nun besser? Der Auftritt am Abend oder am Morgen? Das kann man so schwer sagen! Vom Vortrag her war vielleicht der eine Song abends besser, der andere morgens. Die Stimmung war irgendwie jeweils anders. Am Samstagabend war es mit der Dunkelheit draußen und den bunten Lichtern drinnen eher wie ein Konzert in einer kleinen Version der Festhalle. Der Sonntagmorgen brachte mit dem Sonnenschein von draußen und dem so gut sichtbaren Publikum diese besondere „Matinée-Stimmung“. Beides hatte was! Auf jeden Fall ist die ehemalige Synagoge ein ganz toller Raum für Auftritte!
Vielen Dank an unser Publikum! Ihr wart abends und morgens einfach der Hammer! Es macht so Spaß, für Euch zu singen!
Ein ganz großer Dank geht auch an unsere großartigen Musiker Hans-Peter Breiter an der Gitarre und Axel Gerner an der Percussion! Ihr macht mit Eurem Spiel das Musikerlebnis für die Zuschauer einfach noch besser!
Vielen Dank auch an Uwe Sommerfeld für die Beleuchtung und den satten Sound!
Und last but not least vielen Dank an die fleißigen Helferinnen und Helfer an der Snack- und Getränketheke!
Dank euch allen waren es zwei Auftritte, die bei uns noch lange positiv nachwirken werden!
Bericht C. Niemann
